21.06.2006: Bericht über den Besuch im ehemaligen Untersuchungsgefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit
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Unsere Gruppe beim Rundgang |
Am 10.06.2006 nahmen Mitglieder der Abteilung Lichterfelde-West und einige Gäste an einer Führung durch das ehemalige Untersuchungsgefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit teil. Nach einer etwa halbstündigen filmischen Einführung über die Geschichte des Haftgeländes folgte ein Rundgang durch die Haftanstalt, der alle Stationen eines Häftlings nachvollzog. Ein Zeitzeuge und ehemaliger Häftling informierte unsere Besuchergruppe und ließ durch seine Schilderungen die psychische Gewalt und die Ohnmacht, der die Häftlinge ausgeliefert waren, spürbar werden.
Nicht vorhandenes Unrechtsbewusstsein
Eine ungewollte Aktualität erfuhr die seit längerem geplante Führung durch die Gedenkstätte im März diesen Jahres, als bei einer öffentlichen Veranstaltung im Bezirk Lichtenberg ehemalige hohe MfS-Mitarbeiter die Opfer verhöhnten. PDS-Kultursenator Thomas Flierl, der zu der Veranstaltung geladen hatte, um über die Aufstellung von Gedenktafeln zu diskutieren, distanzierte sich nicht deutlich genug von diesen Äußerungen. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hat sich inzwischen entschieden gegen jede Verfälschung oder Verharmlosung der DDR-Vergangenheit gewandt.
Feinde der Demokratie
Das MfS bekämpfte alle Formen des politischen Widerstandes. Jedoch bereits vor der Übernahme des Untersuchungsgefängnisses 1951 durch das MfS waren neben NS-Verdächtigen zahlreiche Vertreter der demokratischen Parteien SPD, LDPD und CDU und nicht linientreue Kommunisten durch den sowjetischen Geheimdienst nach Hohenschönhausen verbracht worden. Viele Bürger empfinden 16 Jahre nach Auflösung des MfS den erstarkenden Rechtsradikalismus als Bedrohung für die Demokratie. Die Besuchergruppe der Abteilung Lichterfelde-West stimmte der Warnung unseres Zeitzeugen zu: Wer in der Demokratie schläft, läuft Gefahr, in einer Diktatur aufzuwachen. Informationen zur Gedenkstätte erhalten Sie auf der Internetseite der Stiftung: www.stiftung-hsh.de
Katrin Hinz









